EVA NALI

Land: Kanada
Titel:
Der Heilige von Bajlowo

Zwanzig Jahre lang habe ich in einem Waisenhaus zugebracht. Bis zum heutigen Tage weiß ich nicht warum. Um zu überleben, war ich dazu gezwungen, das Beobachten zu lernen. Wenn man mich heute fragt, ob ich eine Künstlerin bin, würde ich „nein“ sagen. Ganz einfach, weil ich mich selbst als Beobachterin betrachte, was immer das bedeutet. Ich bemerke kleine Details, dann mache ich sie groß und stelle eine Verbindung zwischen ihnen her. Für mich sind es die kleinen Details, die die großen Details erst möglich machen. Es erübrigt sich, zu sagen, dass es meine Farben sind, mit denen ich die Schönheit dieser Welt erkunde. Schöne Dinge sind wichtig.

Als ich Dobri Dobrev zum ersten Mal im Internet gesehen habe, kannte ich den Grund nicht, warum er zu mir kam. Doch hatte sich mir eine unbehagliche Route eröffnet, der ich bereitwillig folgte. Wie bei einer Teppichrolle, die man heftig entrollt, wodurch sich Farben und Formen offenbaren, haben sich mir bei jedem Schritt, den ich unternommen habe, um Dobri Dobrev in diese physische Welt zu bringen, Hindernisse entgegengestellt. Sie versuchten meinen Weg zu blockieren, um diese unendlich schöne Seele zu euch zu bringen.

Es begann mit der Leinwand, die ich in Indien bestellt hatte. Sie kam kaputt, zu spät und in der falschen Größe bei mir an. Ich musste eine andere bestellen. Während dieser Zeit, in der schrecklichen Covid-19-Pandemie, fühlte sich das Warten auf die neue Leinwand wie eine Ewigkeit an. Ich versuchte, etwas anderes zu malen, aber es gelang mir nicht. Als die leere 80x100cm Leinwand endlich eintraf, hat mich das berührt. Ich tanzte. Ich malte Dobri Dobrev im Handumdrehen und war bereit, ihn so schnell wie möglich zu euch zu schicken. Doch das richtige Material zu finden, um das Kunstwerk für den Versand einzupacken, war mühsam. Ich konnte nichts Passendes für diese monumentale Seele finden. Während des Einpackens – wofür ich beinahe vier Stunden brauchte – wurde aus Versehen Wasser in der Nähe von Dobri Dobrev verschüttet. Ich bin fast durchgedreht. Und als Dobri Dobrev endlich in Österreich angekommen war, hörten die Hindernisse aus irgendeinem Grund nicht auf, aufzutreten. Das Gemälde wurde 200 Kilometer vom Büro von See the Big Picture entfernt gelagert. Es dauerte 12 Tage, bis das Gemälde von DHL am Zielort abgegeben wurde. Es gab einige Missverständnisse und Uneinigkeiten, weshalb Dobri Dobrev herausgegeben und zu Atem kommen sollte.

Man sieht also: Dobri Dobrev zu malen, war eine Reise, auf der es galt, niemals aufzugeben, was schlicht und einfach die großartige Seele, die Dobri Dobrev war, widerspiegelt. Dieser alte Mann bettelte jeden Tag und gab alles an Waisenhäuser und Kirchen. Er stammte aus Bulgarien und war ein hagerer Bettler, der auf die Güte Fremder angewiesen war, um das Leben zu meistern. Einen Großteil seines Hörvermögens verlor er im Zweiten Weltkrieg. Zu Fuß ging er über Jahrzehnte tagtäglich 25 Kilometer von seinem Dorf nach Sofia und trug dabei selbstgemachte Kleidung und Lederschuhe. Dort verbrachte er den Tag mit Betteln.

Mein künstlerisches Leben begann vor fünf Jahren. Auch wenn ich keine formale Kunstausbildung habe, mag ich es dennoch, meine Farben durch meine Gefühle zu sehen. Ich mag schöne Dinge, und darum male ich. Ich weiß nicht wie, ich male einfach.

Haben dir meine Farben gefallen, möchte ich dir danken.

Eva Nali

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